Wer beantwortet die Fragen Ihrer Bürger in fünf Jahren?
Österreichs Gemeinden veröffentlichen alle dasselbe, aber jede anders. Warum das zum Problem wird, sobald KI-Assistenten die Fragen beantworten, und was eine gemeinsame Datengrundlage ändert.
Eine Familie zieht in eine neue Gemeinde. Früher hätte sie auf der Website der Gemeinde nachgeschaut oder im Amt angerufen. Heute fragt sie ihr Handy: Wann wird bei uns der Restmüll abgeholt? Brauchen wir für einen Carport eine Bewilligung? Wo melden wir das Kind für den Kindergarten an?
Die Antwort kommt sofort und klingt sicher. Ob sie stimmt, weiß niemand. Die Gemeinde war an diesem Gespräch nicht beteiligt.
Die Fragen wandern ab
Immer mehr Fragen, die früher im Gemeindeamt oder auf der Gemeinde-Website gelandet sind, gehen heute an KI-Assistenten: am Handy, in der Suchmaschine, bald im Auto und im Lautsprecher im Wohnzimmer. Diese Assistenten antworten aus dem, was sie finden. Das kann ein PDF von vor drei Jahren sein, ein alter Zeitungsartikel oder ein Beitrag in einem Forum.
Die Gemeinde erfährt davon nichts. Sie weiß nicht, was über sie erzählt wird, und sie kann es nicht richtigstellen. Bei Gästen ist es genauso. Wer fragt, was heute Abend in der Region los ist, bekommt die Angebote empfohlen, die gut auffindbar sind. Alles andere existiert in der Antwort nicht.
Damit verschiebt sich etwas Grundsätzliches. Bisher war die Gemeinde die erste Stelle für Auskünfte über sich selbst. In Zukunft entscheidet darüber, wer die besten Daten hat.
Das eigentliche Problem: Jede Gemeinde macht es anders
Österreich hat mehr als 2.000 Gemeinden. Alle veröffentlichen dieselbe Art von Information: Termine, Öffnungszeiten, Gebühren, Formulare, Ansprechpersonen, Veranstaltungen, Abfuhrpläne, Regeln zum Bauen. Und jede tut es auf ihre eigene Weise: als PDF, auf der Website, in der Gemeindezeitung, auf Facebook, als Aushang.
Für einen Menschen ist das mühsam, aber machbar. Für eine Maschine ist es kaum zu lesen. Es gibt keine gemeinsame Ordnung, keine gemeinsamen Begriffe und oft nicht einmal einen Hinweis darauf, welcher Stand der aktuelle ist.
Wir sehen das jeden Tag. Für unseren Müllkalender lesen wir die Abfuhrpläne von Gemeinden in ganz Österreich ein. Kaum zwei sehen gleich aus: Tabellen, Kalender im PDF, Straßenlisten, abfotografierte Zettel. Das ist kein Vorwurf an die Gemeinden. Niemand hat je verlangt, dass sie für Maschinen schreiben. Aber jetzt kommt es darauf an.
Der Druck kommt von mehreren Seiten
Wissen geht in Pension. In vielen Gemeindeämtern gehen in den nächsten Jahren erfahrene Leute in den Ruhestand. Viel von dem, was sie wissen, steht nirgends geschrieben: welche Straße zu welchem Abfuhrbezirk gehört, welche Ausnahme wofür gilt, wer bei welchem Verein zuständig ist.
Antworten werden rund um die Uhr erwartet. Die Frage kommt am Sonntagabend um zehn, nicht zu den Amtsstunden.
Es gibt immer mehr Kanäle. Website, App, Newsletter, Gemeindezeitung, soziale Medien, Bildschirme im Amt, Tourismusportale. Jeder Kanal wird einzeln gepflegt, und jede Kopie veraltet ein bisschen früher als die anderen.
Die Region braucht den Überblick. Bezirk, Land und Tourismusverband wollen wissen, was wo angeboten wird. Heute geht das nur, indem man jede Gemeinde einzeln fragt.
Die Antwort ist kein Chatbot
Es ist verlockend, einen Chatbot auf die Gemeinde-Website zu setzen. Aber ein Chatbot auf ungeordneten Daten gibt flüssige, falsche Antworten. Eine weitere App hilft auch nicht. Sie ist nur ein weiterer Kanal, der gepflegt werden will.
Was es braucht, ist ein Fundament darunter:
- Die Informationen jeder Gemeinde werden einmal geordnet erfasst: was, wann, wo, für wen, gültig ab wann und aus welcher Quelle.
- Gepflegt wird das automatisch aus dem, was es ohnehin schon gibt: Website, PDFs, Gemeindezeitung, vorhandene Programme. Im Amt entsteht keine zusätzliche Arbeit. Änderungen werden erkannt und geprüft.
- Jede Angabe behält ihre Herkunft. Die Gemeinde bleibt die Quelle, und nichts wird erfunden.
- Alle Gemeinden folgen derselben Ordnung. So können Bezirk, Land oder Tourismusregion alles auf einmal sehen und nutzen.
Auf diesem Fundament wird alles andere einfach. Website und App zeigen dasselbe. Der Newsletter schreibt sich fast von selbst. Die Bildschirme im Amt sind aktuell. Und KI-Assistenten können richtig antworten, weil sie auf geprüfte Informationen zugreifen, statt zu raten. Wie das technisch funktioniert, haben wir in „KI, die nachschaut, statt zu raten“ beschrieben.
Was sich dadurch ändert
Für Bürgerinnen und Bürger: richtige Antworten zu jeder Zeit, in einfacher Sprache und auf Wunsch auch in anderen Sprachen, etwa für Menschen, die neu im Land sind.
Für das Gemeindeamt: weniger Routineanrufe. Wissen bleibt, auch wenn Menschen gehen. Eine Änderung wird einmal eingetragen und ist überall richtig.
Für Bezirk, Land und Region: ein echter Überblick darüber, welche Angebote es wo gibt und wo etwas fehlt. Als Grundlage für Planung und Förderung, nicht als Bauchgefühl.
Für den Tourismus: Gäste bekommen lokale Informationen, die stimmen, in ihrer Sprache und weit über die bekannten Sehenswürdigkeiten hinaus.
Wie wir das angehen
Genau dieses Fundament bauen wir. Mit einem Wissensgraphen, in dem jede Gemeinde, jedes Angebot, jeder Ort und jeder Termin genau einmal vorkommt und mit allem verbunden ist, was dazugehört. Mit eigener Recherche, wenn eine Angabe fehlt oder unklar ist. Und mit Antworten, die sich immer auf eine Quelle stützen.
Anfangen muss man dafür nicht mit einem Großprojekt. Es gibt zwei gute Wege. Entweder eine Art von Information für viele Gemeinden, zum Beispiel alle Veranstaltungen oder alle Abfuhrtermine eines Bezirks. Oder alle Informationen einer Gemeinde als Vorbild für die anderen. Von dort aus wächst es weiter.
Sie sind Gemeinde, Gemeindeverband, Land oder Tourismusverband und wollen, dass über Sie richtig geantwortet wird? Schreiben Sie uns. Wir zeigen Ihnen gern, wie das für Ihre Region aussehen kann.
Arthur Pichl, Co-Founder, SUPERFREY FlexCo. Wien, September 2026.