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Von Arthur Pichl

KI, die nachschaut, statt zu raten

Warum KI manchmal Dinge erfindet, und wie Wissensgraph, eigene Recherche und Quellenbindung das verhindern.

Über künstliche Intelligenz liest man im Moment vor allem zwei Arten von Schlagzeilen. Die eine sagt, KI werde bald fast jede Büroarbeit übernehmen. Die andere sagt, KI erfinde Dinge und sei deshalb nicht zu gebrauchen.

Die zweite Schlagzeile beschreibt ein echtes Problem. Sie beschreibt aber nicht die KI an sich, sondern eine bestimmte Art, sie einzusetzen. Wer verstehen will, ob KI im eigenen Betrieb verlässlich arbeiten kann, muss diesen Unterschied kennen.

Warum KI Dinge erfindet

Ein Chat-Programm wurde mit riesigen Mengen Text trainiert. Wenn man es etwas fragt, antwortet es aus diesem Gedächtnis. Bei bekannten Dingen klappt das meistens gut. Fragt man aber nach dem Herbstmarkt in der eigenen Gemeinde, nach der Blasmusikkapelle aus dem Nachbarort oder nach den neuen Öffnungszeiten eines Museums, weiß das Programm es schlicht nicht.

Es ist aber darauf gebaut, immer eine Antwort zu geben. Also füllt es die Lücke mit etwas, das plausibel klingt. Das ist keine böse Absicht und auch kein Fehler, den man irgendwann wegtrainiert. Es ist eine Folge davon, wie das System gebaut ist. Und genau deshalb lässt es sich auch durch den Aufbau lösen.

Vier Bausteine für KI, die nicht rät

Ein Wissensgraph als geordnetes Gedächtnis. Statt sich auf das zu verlassen, was ein Modell irgendwann gelesen hat, legen wir das Wissen geordnet ab. Jeden Ort, jede Person, jede Veranstaltung und jedes Werk gibt es genau einmal, mit einer festen Identität und mit Verbindungen zu allem, was dazugehört: welches Stück in welchem Haus läuft, wer darin spielt, in welcher Gemeinde das Haus steht. Kommt eine neue Angabe herein, wird sie mit dem verglichen, was schon bekannt ist. Ist das eine neue Veranstaltung oder eine, die wir schon kennen?

Eine Stelle für alle Quellen. Informationen kommen auf vielen Wegen: von Websites, aus E-Mails, über Formulare, über Schnittstellen von Partnern, als eingescannter Flyer oder als Tabelle. Bei uns läuft alles durch dieselbe Prüfung, mit denselben Regeln. Keine Quelle darf an der Prüfung vorbei etwas eintragen. So entstehen keine Doppelungen und keine Widersprüche, nur weil etwas über einen anderen Weg hereingekommen ist.

Eigene Recherche statt Raten. Wenn das System sich nicht sicher ist, rät es nicht. Es sucht selbst nach: auf der Website des Hauses, beim Veranstalter, beim Ticketverkauf, in der Lokalpresse. Erst mit diesen Belegen trifft es eine Entscheidung. „Wahrscheinlich“ reicht dafür nicht.

Quellenbindung. Fachleute sprechen von „Grounding“. Gemeint ist: Die KI schreibt nur, was sie in geprüften Quellen gefunden hat, nicht, was sie zu wissen glaubt. Jede Entscheidung wird mit der Quelle begründet, auf der sie beruht, und lässt sich nachprüfen. Öffentlich wird nur, was diese Prüfung durchlaufen hat.

Ein Beispiel aus unserer Arbeit

Für CIXTRA, unsere Plattform für Kultur- und Freizeitdaten, sehen wir solche Fälle jeden Tag. Eine Vorstellung steht auf der Website des Theaters, im Newsletter eines Kulturvereins und beim Ticketverkauf. Der Titel ist jedes Mal etwas anders geschrieben, und beim Ticketverkauf steht eine Uhrzeit, die eine halbe Stunde abweicht.

Ein Chat-Programm würde eine der drei Angaben nehmen oder alle drei als eigene Veranstaltungen anlegen. Unser System erkennt über den Wissensgraphen, dass es um dasselbe Stück im selben Haus am selben Abend geht. Es schaut auf der Seite des Hauses nach, und die Angabe des Hauses gilt. Die abweichende Uhrzeit wird nicht gelöscht, sondern vermerkt.

Ein zweites Beispiel: eine Musikerin aus der Region, die in keinem Lexikon steht. Wer nur in großen Datenbanken nachschlägt, findet nichts und erfindet im schlimmsten Fall eine Biografie. Unser System recherchiert im Netz, auf ihrer eigenen Website, bei Veranstaltern, in der Lokalpresse, und schreibt nur, was es dort tatsächlich gefunden hat.

Eine Prüfkette in Stufen

Nicht jede Entscheidung braucht denselben Aufwand. Deshalb prüfen wir in Stufen.

Eindeutige Fälle erledigen feste Regeln, schnell und günstig. Unscharfe Fälle beurteilt ein eigenes Erkennungsmodell, das genau auf diese Aufgabe trainiert ist. Was danach noch offen ist, prüft ein stärkeres Modell nach, mit allen Belegen und eigener Recherche.

Ein Mensch sieht am Ende nur den kleinen Rest, der sich wirklich nicht klären lässt. Etwa wenn ein Kino zur selben Zeit in zwei Sälen einen Film mit fast gleichem Titel zeigt und keine Quelle sagt, ob es zwei Vorstellungen sind oder ein Tippfehler. Der Mensch ist dabei nicht das Sicherheitsnetz für alles. Das würde keine Zeit sparen. Die Prüfung macht das System selbst.

Was KI gut kann, und was nicht

Gut kann KI heute: lesen, egal ob E-Mail, PDF, Scan, handschriftliches Formular oder Website. Ordnen und zuordnen. Vergleichen und Doppelungen finden, auch bei unterschiedlicher Schreibweise. Übersetzen und umformulieren. Und das alles hundertmal am Tag, ohne müde zu werden.

Nicht übernehmen sollte KI die Verantwortung für Entscheidungen über Geld, Verträge oder Personal. Sie kennt auch Ihre Abläufe nicht von selbst. Welche Anfragen an wen gehen und welche Regeln bei Ihnen gelten, muss man ihr einmal beibringen. Danach hält sie sich daran.

Fragen an jeden Anbieter

Wer überlegt, KI im eigenen Betrieb einzusetzen, kann jedem Anbieter, auch uns, ein paar einfache Fragen stellen:

  • Antwortet die KI aus geprüften Quellen oder aus ihrem Gedächtnis?
  • Recherchiert das System selbst nach, wenn eine Angabe fehlt oder unklar ist?
  • Wird jede Entscheidung mit einer Quelle begründet, die man nachprüfen kann?
  • Läuft alles durch dieselbe Prüfung, egal über welchen Weg es hereinkommt?
  • Was passiert mit dem Rest, der wirklich unklar bleibt?
  • Wofür werden meine Daten verwendet, und wer darf darauf zugreifen?

Wenn ein Anbieter darauf keine klaren Antworten hat, ist Vorsicht angebracht.

Wie wir das machen

Bei SUPERFREY bauen wir genau so: mit einem Wissensgraphen als Gedächtnis, einer gemeinsamen Prüfung für alle Quellen, eigener Recherche bei Unsicherheit und Entscheidungen, die sich auf Quellen stützen. So arbeitet CIXTRA mit Kultur- und Freizeitdaten, und so bauen wir Lösungen für Betriebe, Gemeinden und Medien, ob es um Anfragen, Listen, Dokumente oder Termine geht.

Wenn Sie wissen wollen, welche Arbeit in Ihrem Betrieb dafür in Frage kommt: Schreiben Sie uns. Das erste Gespräch ist unverbindlich und ganz ohne Fachbegriffe.

Arthur Pichl, Co-Founder, SUPERFREY FlexCo. Wien, Juli 2026.